Schulsozialarbeit muss endlich auch in Wien umgesetzt werden!

Die Grünen Alsergrund stellen bei der Bezirksvertretung erneut einen Antrag auf Installation der Schulsozialarbeit an unseren Schulen. Nachdem alle anderen Fraktionen dies bisher ablehnten, weil sie auf die Umsetzung durch die Stadt Wien warten, ist bis heute nicht viel weiter gegangen.

Wir bauen unsere Stadt
Wir bauen unsere Stadt

Die Stadt Wien hat im 15.Bezirk eine Studie durch Team Focus  vom Fond Soziales Wien beauftragt, die alarmierende Ergebnisse lieferte und dringend Handlungen erfordert. (hier finden Sie die gesamte Studie)

SchülerInnen sind zunehmend in sozial schwierigen Situationen. Armut und häusliche Gewalt wirken sich auch im Schulalltag aus. Hinzu kommen fehlende Deutschkenntnisse, unterschiedliche Kulturen, Verhaltensauffälligkeiten bei den SchülerInnen, Über- oder Unterforderung der Kinder, finanzielle Nöte der Eltern, zunehmende Fehlstunden der Jugendlichen. Hier bedarf es der sozialarbeiterischen und psychologischen Unterstützung an den Schulen, wie auch der räumlichen und finanziellen Ressourcen.

Die Anforderungen an Bildungseinrichtungen haben sich in den letzten Jahren geändert. Anstatt sich den Gegebenheiten anzupassen, wurden massiv Stunden gekürzt: BeratungslehrerInnen wurden von 22 auf durchschnittlich 10 Stunden pro Woche reduziert; Team- und Begleitstunden für Deutsch- und Fremdsprachenunterricht wurden um die Hälfte gekürzt. In Wien gibt es 25 SchulpsychologInnen, d.h. eineR ist für 10.000 Kinder, deren Eltern und 900 LehrerInnen zuständig!

Existenzprobleme, Armutsgefährdung, Migrationshintergrund, Gewalt etc. führen dazu, dass Eltern zunehmend überfordert sind und ihre Kinder kaum unterstützen können. Vieles soll bzw. muss die Schule und somit die LehrerInnen übernehmen, doch diese haben allein weder die Ressourcen, noch die nötigen Kompetenzen dazu. Eine weitere Hürde besteht darin, dass die Annahme von Hilfe, vor allem wenn sie von einer Behörde kommt, meist mit Widerstand denn mit Kooperation verbunden ist.

Schulsozialarbeit kann dem Abhilfe schaffen, da sie in den Schulalltag integriert ist, die SozialarbeiterInnen für Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen leicht und ohne Formalitäten erreichbar sind und somit niederschwellig Beratung, Betreuung und Unterstützung anbietet. Je nach Schultyp und sozialem Gefüge an den Schulstandorten wird der Bedarf und das Angebot ausgerichtet. Wichtig ist in jedem Fall die Zusammenarbeit von allen SchulpartnerInnen. Mit der Umsetzung von Schulsozialarbeit können auf niederschwelliger Basis präventive Maßnahmen zur Orientierungshilfe und für Gewalt- und Aggressionsabbau gesetzt werden. Von Einzelbetreuungen über Gruppenarbeit, informelle Gespräche, Präventivmaßnahmen, Begleitung zu Behörden, Beratungen bis hin zur Vermittlung an spezialisierte Institutionen erstrecken sich die Tätigkeiten.

Schulsozialarbeit ist nicht erst eine Erfindung der heutigen Zeit. Bereits in den 20iger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben engagierte Frauen in den USA Kinder aus benachteiligten sozialen Schichten freiwillig unterstützt. In den 70iger Jahren wurde in Deutschland mit der Gesamtschule die Einführung der Schulsozialarbeit unter diversen Titeln begonnen. Kontinuierlich werden seit Jahren in der Schweiz die Stellen für SchulsozialarbeiterInnen ausgebaut. Auch in Niederösterreich wird seit einigen Jahren Schulsozialarbeit angeboten und ausgebaut. Einer der Träger ist der Verein young mit dem Projekt xpoint . Auch in Wien gab es das von der EU geförderte Projekt Schulsozialarbeit, geleitet von der dipl. Sozialarbeiterin Katharina Hanzal an der IHS Geblergasse, das allerdings mit Beendigung des Sokrates Programms eingestellt wurde.

In jedem Fall bestätigen diverse Evaluierungen und Studien den Erfolg von Schulsozialarbeit.Kindern und Jugendlichen werden durch zusätzliche Beratung und Betreuung in ihrer Entwicklung unterstützt, LehrerInnen erhalten Hilfe in schwierigen Situationen, Eltern werden in Erziehungsfragen beraten. Schulsozialarbeit ist ein wichtiger Bestandteil für eine positive Integration von MigrantInnen. Die Bildungschancen werden für alle SchülerInnen verbessert und die Zahl der SchulabbrecherInnen kann dadurch reduziert werden und damit auch die Folgekosten. Schulsozialarbeit ist sozial verantwortlich und ökonomisch sinnvoll.

Um mit den gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen im Schulalltag zurecht zu kommen, muss jetzt gehandelt werden und Schulsozialarbeit rasch umgesetzt werden!